Inzwischen hat es mich schon zum dritten Mal nach Vietnam gezogen. Meine erste Trips hatte ich in Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) beendet, sodass ich mir dieses Mal vorgenommen hatte, den Rest des Landes etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Da ich die Stadt bereits ein wenig kannte und relativ zügig Richtung Norden aufbrechen wollte, hielt ich mich nur kurz dort auf, um mich etwas zu akklimatisieren. Natürlich nutzte ich die Zeit dennoch, um die Stadt besser kennenzulernen. So besuchte ich das Kriegsopfermuseum, den Wiedervereinigungspalast und das Stadtmuseum. Dabei stellte ich fest, dass die Stadt historisch betrachtet noch recht jung ist, denn vor rund 100 Jahren war sie nicht viel mehr als ein größeres Fischerdorf mit etwa 10.000 Einwohnern. Heute leben hier über acht Millionen Menschen.

Anschließend ging es ans Meer nach Mui Ne. Der Strand war nicht ganz so atemberaubend wie erwartet, da die Küstenstraße über viele Kilometer fast ausschließlich von Hotels und Restaurants gesäumt wird und nur wenige Abschnitte tatsächlich zum Baden geeignet sind. Die meisten Touristen kommen deshalb vor allem wegen der riesigen Sanddünen und der beeindruckenden Felsformationen. Besonders schön war die Bucht des Fischerdorfes Mui Ne mit ihren Hunderten von Fischerbooten, die vor allem bei Sonnenuntergang eine fantastische Kulisse bieten. Was die Sauberkeit betrifft, sollte man allerdings besser nicht allzu genau hinschauen.

Mein nächster Halt war Hoi An im Zentrum Vietnams, eine Stadt mit einer wunderschönen Altstadt. Der Name Hoi An bedeutet sinngemäß „friedvoller Versammlungsort“, was, abgesehen von den unzähligen Mopeds, immer noch eine sehr passende Beschreibung ist. Zudem war Hoi An einst einer der größten Häfen Südostasiens und lag an einer wichtigen Handelsroute der Seidenstraße.

Im Rahmen einer Tour besuchte ich die Marble Mountains, die sogenannten Marmorberge. Neben zahlreichen Tempeln gibt es dort viele in den Felsen gehauene Buddha-Statuen zu entdecken. Einige davon waren zu meiner Überraschung weiblich dargestellt. Anschließend führte mich die Reise nach My Son. Ab dem 2. oder 3. Jahrhundert entwickelte sich an der Küste Vietnams die Cham-Kultur, die stark von Indien beeinflusst wurde. Dies zeigt sich insbesondere in den hinduistischen Glaubensvorstellungen und der Architektur. In My Son sind die Überreste von mehr als 70 Tempeln des ehemaligen Reiches Champa erhalten geblieben, auch wenn viele davon während des Vietnamkriegs stark beschädigt oder zerstört wurden.

Am letzten Tag meines Aufenthalts in Hoi An unternahm ich noch eine Fahrradtour zum Strand und in ein nahegelegenes Dorf. Dabei hatte ich die Gelegenheit, einen kleinen Familientempel zu besichtigen. Außerdem erhielt ich interessante Einblicke in die Herstellung von Reisnudeln sowie von traditionellen Papierartikeln, die bei Bestattungszeremonien verwendet werden.

Über den Hai-Van-Pass und mit einem kurzen Abstecher zum Lang-Co-Strand ging es weiter nach Hue. Direkt nach meiner Ankunft besuchte ich die beeindruckende Zitadelle der Altstadt. Sie war die frühere Residenz der Kaiser der vietnamesischen Nguyễn-Dynastie und beherbergt einen Kaiserpalast nach dem Vorbild der Verbotenen Stadt in Peking. Heute gehört die Anlage zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Am folgenden Tag wollte ich die Stadt bei einer Bootsfahrt erkunden. Aufgrund des starken Regens wurde die Tour jedoch kurzerhand durch eine Busfahrt ersetzt, da das Boot nicht mehr unter allen Brücken hätte hindurchfahren können. Neben einem süßen kleinen Teehaus besichtigte ich mehrere Grabstätten von Königen und Königinnen. Lediglich das schlechte Wetter trübte das Erlebnis etwas. Nach insgesamt 36 Stunden Dauerregen, bei dem das Wasser bereits bis zum Eingang meines Hotels stand, brach ich schließlich in den Phong-Nha-Ke-Bang-Nationalpark auf, um die faszinierende Unterwelt der Paradise Cave und der Phong-Nha-Höhle zu erkunden.

Anschließend ging es nach Hanoi, der ältesten noch bestehenden Hauptstadt Südostasiens. Ihre Geschichte reicht bis ins Jahr 1010 zurück, als sie als Zitadelle Thăng Long gegründet wurde. Viele historische Bauwerke wurden jedoch während der französischen Kolonialzeit zerstört.

Zu den Sehenswürdigkeiten, die man sich nicht entgehen lassen sollte, gehören das Ho-Chi-Minh-Mausoleum, der kleine, aber wunderschöne Bach-Ma-Tempel sowie der Tempel der Literatur. Besonders beeindruckend fand ich außerdem das Hoa-Lo-Gefängnis, das oft auch als „Hanoi Hilton“ bezeichnet wird.

Auch der zentrale Markt ist definitiv einen Besuch wert, obwohl mir persönlich der Trubel dort etwas zu viel war. Wie bereits in Ho-Chi-Minh-Stadt muss man auch in Hanoi ständig aufpassen, nicht von einem Moped erfasst zu werden. Oft bleibt einem nichts anderes übrig, als auf der Straße zu laufen, da die Gehwege entweder vollständig von Mopeds zugeparkt sind oder von den Einheimischen als Verkaufsfläche genutzt werden.

Mein nächstes Ziel war die Halong-Bucht im Golf von Tonkin. Hier ragen rund 2.000 Kalksteininseln und Felsen teils mehrere hundert Meter hoch aus dem Wasser und bilden eine der spektakulärsten Landschaften Vietnams.

An meinem ersten Tag besuchte ich die historische Festung Cannon Fort, von der man einen grandiosen Blick über die gesamte Bucht hat. Am zweiten Tag stand eine Wanderung durch den Nationalpark der Insel auf dem Programm. Dabei liefen wir quer über die Insel bis zur Küste, wo uns ein Boot für die Rückfahrt erwartete. Den Abschluss bildete ein ganztägiger Bootsausflug, bei dem wir nicht nur die Bucht erkundeten, sondern auch Kajak fuhren und eine kleine Affeninsel besuchten. Zu guter Letzt zeigte sich sogar noch die Sonne, wodurch die ohnehin beeindruckende Landschaft noch schöner wirkte.

Zum Abschluss meiner Reise zog es mich in die Berge rund um Sapa. Dort unternahm ich eine wundervolle dreitägige Wanderung unter der Führung einer Einheimischen. Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von sechs Personen machten wir uns auf den Weg durch die weitläufigen Täler der Region.

Wir hatten großes Glück mit dem Wetter, sodass die Wanderung nicht nur viel Spaß machte, sondern wir auch atemberaubende Ausblicke auf die unzähligen Reisterrassen genießen konnten. Durch unsere lokale Reiseleiterin erfuhren wir außerdem viel über die Kultur und das Leben der verschiedenen Volksgruppen in der Region. Dadurch wurde das Erlebnis auf besondere Weise abgerundet.

Auch wenn mir viele Reisende berichtet hatten, dass es in Sapa mitunter sehr kalt werden kann, ist die Region auf jeden Fall eine Reise wert. Es empfiehlt sich allerdings, den Wetterbericht einige Tage im Voraus im Auge zu behalten, denn bei gutem Wetter ist die Wanderung durch die Reisterrassen schlichtweg ein unvergessliches Erlebnis.